Richensa
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Pathologisch-Anatomisches, Bundesmuseum (08.11.2008) •••••
Wer bis in das 20. Jahrhundert hinein an einer schweren seelischen Erkrankung litt, konnte schnell im Gefängnis landen. Denn das waren die Orte, wo Menschen mit diesen Krankheiten wegsperrte. Grauenhafte Bilder entstehen im Kopf, wenn man heute daran denkt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde endlich eine Art Krankenhaus zur Behandlung gegründet, Kaiser Franz I. war der Schirmherr für den Bau des runden Turms. Das Gebäude bot Platz für 300 Patienten und war schon bald nach der Einweihung 1784 gut gefüllt. Seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der “Narrenturm” als Schwesternwohnheim für das nahe gelegene Allgemeine Krankenhaus (AKH) genutzt, auch Ärzte zogen bald ein, richteten hier Studierzimmer ein.
Die Studiensammlung der medizinischen Präparate wuchs im Laufe der Zeit, Teile davon sind als Museum inzwischen auch zu besuchen.
50000 Präparaten bilden heute das Rückgrat der Sammlung. Hier werden Mazerationspräparate (zumeist Knochen), Feuchtpräparate (in Formaldehyd konservierte Körperteile), Abgüsse vom lebenden Objekt aus Wachs und Geräte vor allem für Medizinstudenten, aber auch für den interessierten, aber auch “standfesten” Besucher aufbewahrt.
Wir waren letzte Woche an einem Spätnachmittag im Museum und konnten hier für 2 Euro an einer Führung teilnehmen. Ein Student war der Führer durch eine Etage des siebenstöckigen Turmes und zeigte uns von einem Raum mit Präparaten von Tuberkuloselungen ausgehend einen guten Querschnitt durch die Bestände. Hierzu gehörten die Skelette von Patienten, die an Rachitis gelitten hatten, siamesischen Zwillingen und vor allem auch die lebensecht kolorierten Wachsabgüsse von Krankheiten, die in Mitteleuropa ausgerottet oder bereits in einem Frühstadium medikamentös behandelbar sind.
Für mich war es eine überaus interessante Stunde, allerdings muss man sich als Besucher vorher intensiv fragen, ob die Nerven, der Magen oder alles zusammen, diesen Besuch mitmachen. Unser Museumsführer fragte stets betont teilnahmsvoll, ob “es” noch geht, ja, die ganze Gruppe hat die Tour durchgehalten, aber ehrlich gesagt hätte ich auch direkt nach dem Besuch noch kein Gulasch oder Apfelstrudel essen mögen.
Saint Charles Alimentary (08.11.2008) •••••
Auf geheimen Wegen, geleitet von Einer, die um die Geheimnisse Wiens weiß, gelangten wir an einem strahlenden Donnerstag mittag hierhin. Irgendwo im Nirgendwo zwischen Naschmarkt und Mariahilf-Shopping liegt das Kleinod des Slow-food der besonderen Art.
Die Geheimnisträgerin hatte uns von einem geheimen Wurzelsud berichtet, der seit Jahren auf dem Herd bei kleiner Flamme köchelt, gewürzt nur mit den besten Wurzelgemüsen, die die Köchin selber anbaut oder sammelt. Somit entstünde eine Art Zaubertrank, der etwas von der Energie des Miraculixigen Getränk habe.
Nun war ich sehr gespannt und wollte sehr gerne kosten! Die Geheimnisträgerin reservierte für uns einen Tisch im “Alimentary”. Von der Straße aus kommt man kaum auf die Idee, hier essen zu können, es sieht auf den ersten Blick eher wie eine kleine Galerie aus, die die schmale Fensterfront etwas herbstlich dekoriert hat. Tritt man durch die Glastür, steht man auch bereits unmittelbar im Gastraum: zwei Holztische mitsamt zugehörigen Bänken bieten für maximal sechs Gäste Platz.
Wir werden von einer jungen Frau mit Wollmütze begrüßt, die, wie sich herausstellt, die Köchin ist. Gekocht wird nur, was selber gesammelt oder von ausgesuchten Bio-Lieferanten angeboten. So bietet uns Vanessa Guertler eine Art Hamburger an, der mit einem Confit aus roten Zwiebeln, gebackenen Minikürbisspalten und gedünstetem Chicoree serviert wird. Statt Brötchen gibt es Dinkelpfannkuchen, um schmackhaftes Rindfleisch und knackigen Salat zu umhüllen.
Der sagenhafte Wurzelsud hat mich allerdings nicht vollständig überzeugt, er war möglicherweise noch keine kompletten zwei Jahre geköchelt. Das Aroma von Möhren und Pastinaken kam zwar gut heraus, aber war noch etwas schwächlich. Gewürzt wurde mit handgemahlenem “Bergkern aus Bad Ischgl”, Steinsalz.
Als Dessert servierte die Köchin selbst gebackene Anis-/Fenchelkekse, die aber wieder überirdisch gut waren.
Auf das Angebot, die angebotenen Kräuterelexiere auf Alkoholbasis zu verkosten, haben wir verzichtet, denn das Essen war so gut, dass es keinen “Schwedenbitter” brauchte.
Grand Cairn de Barnenez (17.10.2008) •••••
Eigentlich sollte man ja nicht denken, dass es in der Bretagne zuwenig Steine gibt, und schon gar nicht, dass man sich in der Region Europas, die für ihre megalithischen Denkmale am bekannten ist, an Grabhügeln vergreift.
Am 23. Mai 1955 meldete die Tageszeitungen im Finistère den spektakulären Fund eines riesigen Dolmens auf einer Baustelle am Kap von Barnenez, einer kleinen Halbinsel in der nördlichen Bretagne. Langsam wurde aber klar, dass seit mehr als einem Jahr zwei dieser gewaltigen vorgeschichtliche Grabbauten als Steinbruch genutztwurden, und als Baumaterial zum Bau einer Straße zur Pointe de Terenez endeten. Einer der Hügel war 1954 auf diese Weise vollständig verschwunden, der zweite 1955 in zwei aufsehenerregenden Prozessen vor der weiteren Zerstörung gerettet. Der Bauunternehmer wurde zu einer hohen Geldstrafe und zur Finanzierung von Rettungsmaßnahmen verurteilt. Dieses war der Beginn der Forschungen um die verbliebene Anlage, die bis 1968 andauernd sollten.
Die Untersuchungen unter der Leitung von Pierre-Roland Giot ergaben, dass der fast 72 m lange Hügel mit seinen insgesamt elf Grabkammern zwei Bauphasen erfuhr, eine um 4500 v. Chr. und eine zweite um 4200 - 3900 v. Chr.. Sogar das mutmaßliche Gewicht der Anlage aus sorgfältig geschichteten Schiefer- und Granitplatten wurde berechnet: bis zu 14.000 t schwer soll die Steinschüttung über den Grabkammern sein. In die elf Kammern führen jeweils parallel liegende Gänge, deren Decke von tonnenschweren Steinen getragen werden. Bei meinem Besuch vor zwei Jahren beschlich mich ein unwirkliches, fast ungutes Gefühl, verbunden mit der Frage, ob die Konstruktion wirklich hält. Das tat und tut sie aber auch nach noch mehr als 6500 Jahren! Auf diesen Megalithen finden sich auch Ritzungen, die noch nicht alle restlos entschlüsselt werden konnten.
Die Kammern selber sind allesamt als so genanntes falsches Gewölbe ausgeführt, ohne die Verwendung von Mörtel oder ähnlichem Verbundmaterial wurden die Steine von überaus geschickten Baumeistern so auflegt, dass der Durchmesser nach oben hin immer mehr abnahm und so eine Kuppel bildet.
Die Funde und deren kulturelle Einordnung kann man im Besucherzentrum anschauen, welches man passieren muss, um dieses phantastischen Platz zu besuchen. Ursprünglich war der Steinhügel noch mit einer Schüttung aus Erde überdeckt, die aber während der Restaurierungsarbeiten entfernt wurde. So entsteht zwar ein (prä-)historisch nicht identisches Bild, aber die allermeisten anderen Megalithanlagen hatten ebenfalls einen Hügel und stehen heute “nackich” in der Landschaft.
Richtig lachen musste ich bei meinem Besuch übrigens über ein niederländisches Pärchen, die mit einem handelsüblichen Zollstock den Hügel umkreisten und offensichtlich nach dem “megalithic yard” suchten, der Antwort auf alle esotherischen Vermessungsbemühungen.
Génial!
Wikinger Museum Haithabu - die Wikingerhäuser (03.10.2008) •••••
Der Wikinger an sich wird ja immer noch oft mit Hörnerhelm und blutrünstigem Blick, auf der Suche nach Beute und Vergewaltigungsopfern gesehen. Dass die Bewohner Skandinaviens am Ausgang der Völkerwanderungszeit eher Bauern und Viehzüchter, Handwerker und Händler waren, kommt zumeist nur in Wissenschaftssendungen Sonntagabends um halb acht zur Sprache. Mit dem Beginn einer Periode der Erwärmung, als die Ernten reichhaltiger ausfielen und weniger Kinder am Ende des Winters an Hunger und Mangelernährung starben, kam es zu einem Bevölkerungszuwachs, der dann doch nicht von der Ernte auf den zur Verfügung stehenden Ackerflächen und Viehbeständen satt wurde. Also gingen die Mutigeren wieder auf die Suche nach Land zum Siedeln, bald aber auch, weil es schon recht praktisch war, zu Beutezügen nach England, ins Rheinland oder auch nach Frankreich. Im Winter kam man zurück zu Frau, Kindern und den Eltern, packte die Beute vor den staunenden Augen der lieben Daheimgebliebenen aus und erzählte am Lagerfeuer von vollbrachten und ausgedachten Heldentaten.
Der Großteil der Bevölkerung blieb aber bei der bekannten Lebensweise und erstand sich die Dinge, von denen die Haudegen erzählten, ganz einfach mit dem Geld, welches die Jungs aus den aufgebrochenen Opferstöcken der beraubten Kirchen und Klöster mitbrachten auf den Märkten und Handelsplätzen. Und einen derartigen Handelsplatz ließ der Dänenkönig Göttrik zu Beginn des 9. Jahrhunderts bei Haithabu anlegen. Hier wurde vorhandenes planmäßig und in Reihe ausgebaut. Dicht an dicht standen die Häuser der Handwerker und Händler, die der clevere König aus dem zuvor zerstörten Marktort Reric in der Wismarer Bucht ansiedelte.
In ihrer Blütezeit bewohnten bis 1000 Dänen, Friesen, Schweden, Norweger, Sachsen, Franken und Slawen in einer bunten Mischung zusammen den Platz und gingen ihren Gewerben nach.
Von einem mächtigen Halbkreiswall waren die dicht gedrängten Häuser der Händler und Handwerker geschützt. Selbst das immer größer werdende Gräberfeld lag innerhalb der Umwallung. Mehrere Bootsanlegestellen in der Schlei boten Platz für viele Handelsschiffe, die mit ihren breiten, aber flachen Gefährten auch bis weit in das Binnenland, die Flüsse hoch zu den Märkten in Köln, Mainz oder auch Paris fahren konnten und dort für gutes Silber einkauften und für noch mehr davon wieder in Haithabu verkauften. Der Platz an der Schlei war einer der Hauptumschlagplätze für den Handel über die Nordsee in die Ostsee und umgekehrt.
Mit den Überfällen auf die Siedlung in den Jahren 1050 und 1066 begann der entgültige Niedergang Haithabus. Die Siedlung verfiel, bis auf den Wall, spurlos und fiel dem Vergessen anheim. Erst um 1900 wurde sie durch archäologische Forschungen von Johanna Mestorf und Sophus Müller wieder entdeckt. Innerhalb und außerhalb des Halbkreiswalles wurde gegraben, Grabhügel untersucht, in der Schlei Schiffe geborgen, bis 1980 die denkmalpflegerisch vernünftige und sinnvolle Entscheidung zum vorläufigen Einstellen der Grabungen und zum Beginn der Auswertungen der Ergebnisse einen Wendepunkt brachte. Bei so viel Fundmaterial, bei so vielen Grabungszeichnungen und Vermessungsskizzen wurde dann von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ein beispielloses Programm begonnen, in welchem ein internationales Forscherteam über viele Jahre wissenschaftlich auswertete und publizierte. Mit der Eröffnung des Wikingermuseums 1985 wurden die Ergebnisse auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Das Museum mit seiner damals im deutschen Sprachraum einzigartigen Konzeption „weg vom reinen Pötte-Museum“ war in vielerlei Hinsicht bahnbrechend.
Nach 20 Jahren meldete sich Haithabu wieder mit einem Paukenschlag zurück, der sich zu einem neuen Publikumsmagnet entwickelt. Innerhalb der alten Grabungsflächen, die keinerlei archäologische Substanz mehr enthalten, wurde nach den Originalbefunden ein Freilichtmuseum errichtet. Verwendet wurden die Handwerkstechniken der Wikingerzeit, um die Häuser der Handwerker, Fischer und Händler zu errichten.
Vom Museum gelangt man nach einem etwa zwanzigminütigem Spaziergang zu dem Museumsdorf. Geduckt unter ihren Reetdächern sieht man die Gruppe bereits nach wenigen Metern, wenn man aus dem Eichenwald Richtung Halbkreiswall geht. Jedes Haus zeigt ein anderes Hand- oder Gewerk, es gibt das Haus des Tuchmachers, des Händlers, die Fischerhütte, eine Versammlungshalle oder auch eine Herberge, in der die Reisenden Obdach fanden. Ein breiter Steg zeigt die Anlegestellen des 10. Jahrhunderts und bietet die Möglichkeit, stundenlang auf’s Wasser zu starren. Als ich vorgestern mit meiner Kollegin durch die Häuser lief, konnten wir beide immer wieder nur anerkennend nicken und wurden, wie die anderen Besucher auch, nicht müde, zu schauen.
Und der Regenschauer mit anschließendem herbstlichem Regenbogen, durch den leise schnatternd Graugänse flogen, war ein wunderbarer Anblick, außerhalb von Raum und Zeit, den ich so schnell nicht vergessen werde.
Les Gîtes de Molans (28.09.2008) •••••
Nach einer langen Fahrt, die über Stunden mit Sturm und Regen garniert war, erreichten wir endlich das Plateau de Valensole, da wo die Lavendelfelder den Himmel berühren. Wie durch Zauberhand bewegt, ließen die Wolken wieder die Sonnenstrahlen hindurch, die die Berge wie mit einer überdimensionalen Taschenlampe anleuchteten. Durch das geöffnete Fenster strömte kühle, lavendelduftende Bergluft ins Auto, obwohl die Felder zum größten Teil abgeerntet waren.
Bald tauchte auch St. Jurs vor uns auf. Bevor wir das kleine Dorf mit seinen etwa 152 Einwohnern erreichten, bogen wir aber nach Norden ab, um zum Hof von Odile und Laurent zu gelangen. Als das Auto nach etwa zwei Kilometern vor dem Haus hielt, kamen zwei Hunde wild bellend auf uns zu und begrüßten uns als erste. Nur wenige Augenblicke später kam auch Odile aus dem Haus und begrüßte uns herzlich. Die Hunde waren verstummt, umkreisten uns schnüffelnd und trollten sich, nachdem sie uns in ihre Geruchsdatenbank aufgenommen hatten.
Die Ferienwohnungen liegen in den Nebengebäuden des Hofes und sind wunderbar liebevoll eingerichet. Unsere wies zwei Schlafzimmer auf mit französischen Betten, alten Schränken und einem kleinen Sekretär auf, dazu eine voll eingerichtete Küchenzeile mit antikem Esstisch und -stühlen sowie eine gemütliche Sofaecke. Selbst ein Fernseher fehlte nicht, aber im Nachherein betrachet, lief er nur ein einziges Mal für die Wettervorhersage vor der Tour durch die Gorge du Verdon.
Odile zeigte uns den Hof, auch den Swimmingpool, dessen Wasser, wie sie lachend meinte, sehr, sehr kalt sei, aber wenn wir mutig genug seien, könnten wir ihn gerne benutzen und drückte uns den Schlüssel für dessen Tür in die Hand. Als Willkommensgruß des Hauses brachte sie uns auch ein Glas selbst gekochter Feigenmarmelade mit. Die beiden Hunde scheuchte sie mit einer Handbewegung aus der Wohnung und erklärte, dass sie vollkommen harmlos, der eine aber unglaublich verfressen, der andere nur neugierig sei. Gute Beschreibung der beiden!
Schnell war das Auto entladen, und dann endlich konnten wir auf den Beginn des Urlaubs mit einem ordentlichen Pastis anstoßen, den wir stilecht auf unserer grün umrankten Terrasse einnahmen. Später gesellte sich Laurent dazu, der seinerseits zwei lavendelhoniggefüllte Waben aus den hofeigenen Stöcken mitbrachte. Gourmand, der dicke Hund trottelte hinter ihm her.
Am nächsten Morgen wurden wir durch leises Bimmeln vor unserem Fenster geweckt. Ah, Ziegen oder Schafe? Nein, das war das uns bald sehr vertraut werdende Geräusch des Glöckchens, welches Hund Nr. 2, der Neugierige, Curieux, um seinen zotteligen Hals trug. Wie uns Laurent später erzählte, zockelt Curieux gerne durch die Nachbarschaft, schaut mal hier herein, mal dort. Und damit ihn niemand mit einem Hasen oder anderen jagdbaren Wild verwechselt, trägt er halt Glöckchen. So brauchten wir keinen Wecker, denn Curieux war pünktlich jeden Morgen da, um zu schauen, warum wir Langschläfer denn so lange brauchten, um ihm das Fell durchzuwuseln, er war schließlich ja auch schon unterwegs.
Neben der Vermietung der Ferienwohnungen richten Odile und Laurent auch wunderbare Essen aus. Auf Vorbestellung ab acht Personen begeben sich beide in ihre jeweilige Küchen und zaubern Köstliches aus dem Gartengemüse und aus dem, was die Region ansonsten noch bietet. Den Käse bereitet der Nachbar, dafür dürfen seine Ziegen auf Laurents Hochweiden in den Bergen weiden. Das Fleisch wird von einem anderen geliefert, der Rinder hält. Auch für uns haben die beiden an einem unserer letzten Abende aufgekocht, obwohl wir nur zu dritt waren. Und ich wäre tief betrübt gewesen, wenn wir diese kulinarischen Highlights nicht hätten kosten können.
Als Aperitiv gab es einen gut gekühlten Weißwein aus der Provence, dazu reichten die beiden in Bierteig ausgebackenes Gemüse, und krosses Weißbrot mit Knoblauch und Tomate aus dem eigenen Garten belegt. Zur Vorspeise hatte Odile einen kräftigen Salat bereitet sowie eine mit Ratatouille gefüllte Blätterteigpastete. Der Hauptgang wurde von Laurent am Kamin bestritten, an dem er ein wunderbares Stück Entrecôte zart rosa briet. Aus Odiles Küche kamen selbstgemachte Bandnudeln mit Tomaten und Kräutern dazu. Und zum Nachtisch schob sie eine Schüssel Mousse au chocolat und einen Tarte tatin mit frischen Pfirsichen auf die Tafel. Die Digestivs des Hauses waren auch aus der eigenen Produktion: einen Vervein-Kräutertee oder, viel besser noch selbst angesetzte Kräuterschnäpse. Die Flasche, in der eine Schlange eingelegt war, hat dann doch keiner von uns dreien angerührt, obwohl wir alle sehr neugierig auf die Wirkung waren. Aber da bin ich meinem Motto treu geblieben: alle Worte, die mir in der französischen Küche fremd sind, haben etwas mit Innereien oder Schlimmerem zu tun. Und die Bezeichnung für die Schlange war mir ganz und gar fremd!
Nach einer Woche haben wir Ort und Quartier gewechselt und ich kann nur sagen, dass das ein Fehler war, ein riesengroßer Fehler!
Denn obwohl wir ja zahlende Gäste waren, haben wir uns bei Odile und Laurent wie bei guten Verwandten auf dem Land gefühlt, wie bei echten Gastgebern und nicht wie bei Vermietern.
Merci beaucoup à vous, Odile & Laurent!
