Golzheimer Friedhof

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Golzheimer Friedhof - Düsseldorf

Adresse: Fischerstraße, U-Bahn Victoriaplatz, 40474 Düsseldorf

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Tel: 0 0 211 4917712

Website: www.golzheim.info/index.html

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Lenz (08.02.2008) •••••

Der Golzheimer Friedhof ist, wie der Name schon klar macht, ein Friedhof im Düsseldorfer Stadtteil Golzheim. Ein ehemaliger Friedhof, genauer gesagt, und nahe zum Rhein hin. Nun ballt sich ein gewaltiger Sturm zusammen und Winde fegen durch die prächtigen Baumkronen der Linden, Eichen und Pappeln. Auch durch die Gemüter braver Düsseldorfer Bürger. Denn der Friedhof, zurzeit im Eigentum der Stadt, soll verkauft werden. An die Victoria, respektive an die Ergo-Versicherungsgruppe, zu der auch die Victoria gehört. Die Victoria hat sich im Umfeld des schönen Friedhofs schon mach interessantes Filetstück gesichert und ihr Hauptgebäude ragt weit in den Düsseldorfer Himmel.

Oberbürgermeister Erwin von der CDU und Frau Strack-Zimmerman von der FDP sehen in dem geplanten Geschäft gar eine Dringlichkeitssituation: „Die Victoria-Versicherung AG will nach eigenen Angaben so kurzfristig wie möglich ihre firmenstrategischen Überlegungen bezüglich des Sitzes ihrer Hauptverwaltung mit dem Erwerb des hier in Rede stehenden Grundstücks absichern. Ein schnellstmöglicher Abschluss eines Kaufvertrages ist notwendig.“ Da der schöne Golzheimer Friedhof unter Denkmalschutz steht, und nicht nur deshalb, hat sich die Bürgerinitiative „Rettet den Golzheimer Friedhof“ gebildet. Am 17.02.2008 kommt es zum Bürgerentscheid. Was danach kommt ist noch unklar. Derweil beschwichtigt die Victoria und gibt an, nur den danebenliegenden Parkplatz bebauen zu wollen und die Grünanlage zu pflegen. Täuschung? Herrgott Sack, eine vertrackte Situation.

Fakt ist, dass der Golzheimer Friedhof ein wunderschönes Juwel in der Düsseldorfer Parklandschaft ist, aber auch ein Dornröschendasein fristet. Mir hat das immer gefallen, so wie es war. Durch die langen Alleen vorbei an den moosbewachsenen Gräbern streifte kaum ein Mensch. Die nahe Fischerstraße mit ihren Verkehrslawinen war kaum spürbar. Man war allein mit sich, der prächtigen Natur und einigen unbekannten Seelen, die in tiefem Schlafe waren. Schon 1805 wurde die so genannte Golzheimer Insel für Beisetzungen genutzt. Der königliche Gartenbaurat Maximilian Friedrich Weyhe sorgte 1816 für eine Erweiterung und gärtnerische Gestaltung des Friedhofs. Er gliederte das um das Dreifache vergrößerte Areal durch Längs- und Querwege in acht Begräbnisfelder. Das Zentrum des Friedhofs markierte Weyhe mit einem Baumrondell und einem ehrwürdigen Friedhofskreuz in der Mitte. Dies ist beinahe alles noch erhalten. 1939 wurden noch 668 Grabmäler gezählt, heute sind es noch knapp 350. 1897 wurde der Friedhof für neue Begräbnisse geschlossen und er ist seitdem ein fantastischer Park.

Nicht zum letzten Mal fuhr ich in der Vorweihnachtszeit dahin. Das Gelände lag einsam und verlassen da, so wie es für einen unvergleichlichen Eindruck nötig ist. Die fahle Wintersonne schien durch die nackten Baumverästelungen und legte ihre karge Wärme sanft auf die verwitterten und vom Moos grün eingefärbten Sandsteine. Ich habe mir sagen lassen, dass Johann Friedrich Benzenberg da ruhen soll, ein Physiker. Elisabeth Grube, eine Poetin. Dann die Maler Johann Peter Hasenclever und Theodor Hildebrandt. Der Schriftsteller und Dramatiker Carl Leberecht Immermann. Der Bildhauer Dietrich Meinardus. Weitere Maler wie Christian Köhler, Alfred Rethel, Friedrich Wilhelm von Schadow, Christian Sell und August Weber. Und natürlich unser Gartenarchitekt Maximilian Friedrich Weyhe, in seinem eigenen Totenhaus. Viele Namen sollten Düsseldorfer Bürgern geläufig sein, aus dem Stadtplan. Übrigens, Jim Morrison ist nicht da. Der ruht in Paris, auf dem Friedhof Cimetière du Père Lachaise.

So also streifte ich herum in der winterlichen Kälte und versuchte das eine oder andere Detail auf den Grabsteinen zu erkunden; die antiken Symbole zu entziffern, die mit christlichen Bildwelten eigentlich nichts zu tun haben. Ich entdeckte wundersame Schmetterlinge, verwitterte Lorbeerkränze, geheimnisvolle Schlafmohnkapseln, abgebrochene Säulen oder verlöschende Fackeln. Viele Grabmäler in klassizistischem, neugotischem oder neuromanischem Stil. Schöne Schlussstriche unter erfüllte Leben.

Der Initiative „Rettet den Golzheimer Friedhof“ werde ich mich wohl anschließen. Das bin ich meinem Golzheimer Friedhof schuldig. Und falls er unter Glas und Beton begraben wird, gibt es ja noch die Fotos von diesem winterlichen Tag. Besser als nichts.



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