Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
Adresse: Zollhof 1, Medienmeile Hafen, 40221 Düsseldorf
Tel: +49 211 4967-0
Website: www.aknw.de/wir_ueber_uns/haus...
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Lenz (21.03.2008) •••••
Das Haus der Architekten, der Sitz der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, veranschaulicht zwischen den engen Sträßchen Zollhof und Kaistraße liegend besonders gut die Absicht, den schluchtähnlichen Charakter gewisser Straßenzüge im Medienhafen zu erhalten. Denn es steht ganz dicht am Asphalt. Es ist schon sonderbar, bei der doch mehrheitlichen Neubebauung des Hafens denkt in Düsseldorf offensichtlich kein Planer daran, den Bauwerken mehr Luft als nötig zu lassen. Der Zollhof und die Kaistraße sind keinen Deut breiter als zuvor.
Das produziert merkwürdige Ergebnisse: Der Egoismus der einzelnen Architekten führt zu einem Formen- und Stilkampf in enger Gemeinschaft. Ein Nahkampf von Originalität findet statt. Mittels postmoderner, dekonstruktivistischer und anderer Schläge unter die Gürtellinie. Mich erheitert es, auch wenn diese Willkür gegen alle Regeln der Optik ist. Hans Hollein, der Meister subtiler Anknüpfung an Bestehendes, hätte sich wahrscheinlich bemüht, seinen Baukörper intelligent einzufügen. Doch scheint das in Düsseldorf keinen zu interessieren. Da Düsseldorf keinen Zoo hat, wurde der Hafen zum Zoo gemacht.
Doch zum Haus der Architekten: „Die Gebäude- und Grundrissform, im Preisgericht als ‘Wankelmotor’ bezeichnet, nimmt Bezug auf die geschwungenen Fassaden der unmittelbar benachbarten Gebäude und behauptet sich gleichzeitig als eigenständiger, markanter Baukörper. Die gekrümmten Fassaden haben gleiche Radien, jedoch unterschiedliche Längen und bilden eine asymmetrisch verzerrte Grundrissform, was dem Gebäude eine zusätzliche Dynamik verleiht. Eine reduzierte Fassadengestaltung bringt die Gebäudeform klar zur Geltung. Durch ein leichtes Verdrehen des Gebäudes gegenüber der Grundstücksgeometrie entsteht eine Vorzone als Eingangssituation, die gegenüber Gehweg und Straße leicht angehoben ist und ein Podest bildet. Die Eingangsfassade wendet sich frontal der Straßenflucht zur Stadt zu und definiert gleichermaßen eine Eingangssituation zu Zollhof und Kaistraße“. Um es etwas einfacher zu sagen: Das Grundstück ist in etwa dreieckig, bildet die Spitze der auseinanderlaufenden Sträßchen Zollhof und Kaistraße und deswegen sehen viele Düsseldorfer in dem Gebäude einen Schiffsbug. Ein Bug der die Menschenmaßen teilt. Oder ein Wellenbrecher. Der Hafen liegt ja nahe und die Idee auch.
Soll man nun dem Darmstädter Architekturbüro werk.um Oberflächlichkeit unterstellen? Sätze in der Ausschreibung wie „eine dem besonderen Ort angemessene Architekturqualität entstehen zu lassen“ müssen schon wahnsinnig machen. Erhard Botta mit seinen Mannen vom werk.um hat doch ausgesprochen kühl reagiert und flugs das Konzept vom „Open house“ erfunden. Ein Haus kreiert, das „auf die Wechselbeziehung zwischen Innen-Außen und Gebäude-Stadt reagiert“. Sie werden es erraten: Glas. Die 1.600 Quadratmeter Nutzfläche werden souverän von Glas umschlossen. Komplett. Sieben Etagen hoch. Mich stört das nicht. Das Haus der Architekten wirkt dadurch etwas unterkühlt und fügt sich deshalb gut in das brodelnde Umfeld ein. Außerdem steht es dem Berufsstand vorzüglich zu Gesicht. Nur wenn die Putzfrau ob der erregenden Schwingungen der heiligen Hallen im sechsten Stock ein Kippfenster aufmacht ist der Traum dahin. Die Glätte der Fassade wirkt durchbrochen. Durch eine andersartige Spiegelung, einen anderen Reflektionswinkel des Lichts. Dunkler oder heller. Wenn ich darf werde ich deshalb der Putzfrau einen Zettel in den Spind hängen. „Fenster bitte schließen“. Ich bin ein optisch sensibler Mensch und ihr cleaner Geist wird Verständnis dafür haben.
Ansonsten gibt es nichts zu meckern. Das Haus der Architekten lebt und wenn man dem Veranstaltungskalender glaube darf ist es tatsächlich so etwas wie ein „Kraft- und Ideenzentrum“. Auch durch das zentrale Atrium. Das mit dem Zentrum hatte NRW-Städtebauminister Michael Vesper vollmundig bei der Einweihung versprochen. Herr Vesper, die Kraft der Idee sei weiterhin mit Ihnen.
